Die BI Survey des Jahres 2014 ist da!


Jährlich befragt BARC die Nutzer von Business-Intelligence-Systemen nach ihren aktuellen Erfahrungen und die Pläne für die Zukunft. „The BI Survey 14: The Customer Verdict“ ist, soweit ich weiß, die weltweit größte, unab­hängige Anwenderumfrage zum Thema Business Intelligence (BI) und Perfor­mance Management (PM). Hierzu gibt es dann einen Bericht, die Vollversion ist für ca. USD 6.000,- erhältlich.

Es gibt aber eine kostenlose allgemeine Ausgabe und Herstellerfirmen können maßgeschneiderte, kürzere Versionen erwerben und zum Download auf ihrer Webseite anbieten. Diese Herstellerversionen enthalten nur die Ergebnisse, in denen das eigene Produkt gut abschneidet. Die Ergebnisse sind meistens als Ranglisten gestaltet und Antworten, die für einen Hersteller eher positiv sind (er im oberen Bereich steht), können in die Herstellerversion aufgenommen werden. Hersteller, die besser abschneiden, haben also mehr Seiten als diejenigen, die weniger gut in den Ranglisten abschneiden.

 

20141024_BISurvey
http://barc-research.com/bi-survey/

Die Datenbasis
Ergebnisse einer Befragung sind nur dann interessant, wenn verschiedene Bedingungen erfüllt sind. Eine wichtige ist die Datenbasis. Es muss eine ausreichend große Datenbasis vorhanden sein, d.h. viele ausgefüllte Fragebögen auf der einen Seite und nicht zu viel Streuung auf der anderen Seite. Wenn sich eine Datenbasis von 1000 Fragebögen auf 20 oder 50 Produkte oder Kriterien verteilt, dann vermindert sich im letzteren die Aussagekraft sehr stark, auch die Vergleichbarkeit leidet sehr.

Die BARC macht selbst viel Werbung, was durch die Hersteller und die Community nochmals verstärkt wird. Je grösser die Anzahl der Fragebögen von begeisterten Kunden, desto besser ist das Endergebnis.
Zu beachten ist, ein Teilnehmer arbeitet mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit in einer Firma, in der verschiedene Produkte eingesetzt werden. Er wird aber am Anfang der Umfrage gefragt, mit welchem Produkt er am besten vertraut ist oder welches am meisten genutzt wird. Alle weiteren Fragen sollen ausschließlich in Bezug auf dieses Produkt beantwortet werden. Wird z.B. neben Essbase auch QlikView eingesetzt, dann muss sich der Teilnehmer entscheiden, ob er den Fragebogen für Essbase oder für QlikView ausfüllt.

Dieses Jahr gab es 3.224 ausgefüllte Fragebögen. Von diesen hatte QlikView mit 189 die meisten. 116 ausgefüllte Fragebögen gab es für SAP BW; 43 für Oracle Essbase und nur 34 für SAS. Der deutschsprachige Raum war gut vertreten, denn typische Produkte dafür sind BOARD mit 84 und Bissantz mit sogar 97 ausgefüllten Fragebögen! Vielleicht hat es auch damit zu tun, dass BARC in Deutschland bekannt ist und es eine deutschsprachige Version der Umfrage gab.

Neben der englischsprachigen Version, gab es eine französische und spanische Version; Gerade letztere könnte in Süd- und Mittelamerika zu einer höheren Teilnahme führen. Aber 67% der Teilnehmer kamen aus Europa, 23% aus Nord-Amerika und 10% aus dem Rest der Welt. Bei diesen Zahlen kann man schon von einer europäischen Studie sprechen.

Eine wichtige Frage bzgl. der Datenbasis ist auch, wer den Fragebogen ausfüllt. Große Firmen könnten ihre Mitarbeiter bewegen, an dieser Befragung teilzunehmen, dann sind die Ergebnisse weniger aussagekräftig. Kontrollieren kann man es nicht, aber

  • 9% haben angegeben, Berater zu sein und
  • 20% haben angegeben, bei einem Hersteller oder Vertriebspartner angestellt zu sein.

Der alles entscheidende Punkt bei der Datenbasis ist natürlich der menschliche Faktor. Schaut man sich die Antworten an, liegen meiner Meinung nach die Ergebnisse der Studie auf einem zu hohen Niveau. Zum Beispiel antworteten 79% der Qlikview-Benutzer (ein Dashboard mit Drill-down Funktionalität), dass dieses Standard/Enterprise Reporting eingesetzt wird.

So sagten 30% der befragten Personen, dass sie Poweruser und 70% sagten, dass sie normale Anwender sind. In wie weit man diese Personen fragen kann, welche zukünftige Investitionen in Produkte gemacht werden und wie der Einsatz dieses BI-Werkzeugs die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens beeinflusst, ist schon fraglich.
Auch das Verhältnis Benutzer- zu Administratoren sowie die Implementierungskosten dieses Produkts sind schwierig miteinander vergleichbar, denn mit einem Freeware-Produkt wie zum Beispiel Jedox werden in der Regel andere System aufgebaut als mit Oracle Essbase.

Die auffälligen Ergebnisse bezüglich Essbase
Leider habe ich keinen Herstellerbericht von Oracle Essbase*, aber die frei verfügbaren Versionen geben einen guten Eindruck und bestätigen bekannte Fakten.
Bekannt ist, dass Oracle Essbase hauptsächlich bei großen Firmen eingesetzt wird. Aber dort, wo Oracle Essbase zu ca. 50% in dem Bereich 100 – 2.500 Mitarbeiter vertreten ist, haben SAP BW nur 28% und SAS und IBM Cognos BI nur 35% der Antworten. Das bedeutet, dass diese Produkte noch stärker in großen Firmen mit hoher Mitarbeiteranzahl eingesezt werden.

Bei dem Durchschnitt der „concurrent user“ lag SAP BW ganz vorne mit zwei- bis dreimal sovielen Benutzern wie z.B. IBM Cognos, Essbase und andere. Da dachte ich ganz ketzerisch, ja logisch, die Abfragen dauern ja auch 3 mal so lange. Dann gibt es auch bei derselben absoluten Anzahl Benutzer auch mehr „concurrent user“.

Wenn man sich in Tabelle 1 ansieht, mit welcher BI-Funktionalität Essbase im Einsatz ist, dann verwundert es nicht, dass Ad-hoc und Standard Reporting sowie Analyse die höchsten Zahlen haben. Es wäre interessant zu sehen, welche Frontend-Tools zu den verschiedenen BI-Funktionalitäten eingesetzt werden. Essbase ist ja schließlich nur eine Datenbank.

Sieht man sich dann den Gesamtmarkt an und wo das Wachstum erwartet wird, dann liegt das stark im Bereich des Visuellen (Dashboards und Scorecards) und der Planung (Budgeting und Predictive Analysis). Hier bestätigt sich mein Bauchgefühl.

 

Essbase* Alle Produkte
BI Funktionalität Schon im Einsatz (%) Schon im Einsatz (%) Bald geplant (%) Längerfristig geplant (%)
Standard/Enterprise reporting

88

84

7

3

Financial consolidation

53

26

10

13

Ad hoc query

91

78

8

5

Operational analytics

63

57

13

10

OLAP analytics

74

49

9

10

Big data analytics

7

14

12

19

Predictive analysis / Data mining

12

17

13

26

Budgeting/Planning

79

39

13

14

Visual analysis/Data discovery

14

37

13

16

Dashboards

47

59

17

10

Scorecards

28

27

16

18

* Mehrfachnennung möglich.

Tabelle 1: BI Funktionalität und zukünftige Ankäufe.

 

Dieses bedeutet, dass das Wachstum von Essbase (pur) weiterhin im Bereich der Betriebsanalyse (operational analytics) und avancierte Analyse (predictive analysis) zu finden ist. Auch für Hyperion Planning gibt es Wachstumspotential.

Würde ein Anwender das Produkt weiter empfehlen, ist eine einfache und starke Messgröße. Hierauf haben sowohl Funktionalität als auch Implementierung Einfluss – passt das Produkt zu den Aufgaben, die der Anwender damit lösen will?

Die Ergebnisse waren (Auswahl):

Platz 2: Microsoft Analysis Services

Platz 3: Cubus

Platz 7: Oracle Essbase

Platz 10: IBM Cognos TM1

Platz 12: Microstrategy

Platz 14: Cubeware

Platz 17: IBM Cognos BI

Platz 18: SAP BW

 

Aus dieser Liste sehen wir, dass es besser kann. Einfluss auf die Zufriedenheit der Benutzer haben vor allem die

  • Benutzerfreundlichkeit (wie oft muss ich Klicken, wo sind die Optionen angeordnet, wie übersichtlich und intuitiv ist die Bedienung, ist die Oberfläche in meiner Sprache verfügbar, etc.)
  • Funktionalität (kann ich die Dinge umsetzen, die mir bei der Arbeit helfen, wieviel muss ich händisch machen, gibt es Schnittstellen, Automatisierungsmöglichkeiten, etc.)
  • Geschwindigkeit (muss ich auf das System warten oder kann ich normal weiter arbeiten?)

Hier werden auch wir Berater uns verbessern müssen.

Nächstes Jahr
Auch im nächsten Jahr gibt es wieder eine BI Survey, auch dabei können Sie mitmachen. Wenn es soweit ist, werde ich einen weiteren Beitrag mit meinen Erfahrungen schreiben und auch den Link aufnehmen.

Ihr Philip Hulsebosch

* Hätte ich diesen, dann würde ich gern hierüber einen Beitrag schreiben.
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