Financial Consolidation and Close Cloud (FCCS)

Jahrelang wurde uns von Hyperion – und später Oracle – mit Nachdruck empfohlen, Essbase nicht für Finanzkonsolidierung zu verwenden. Es wurden viele Gründe vorgegeben, die wir als Essbase Experten, nie so richtig nachvollziehen konnten. Nun, die Finanzkonsolidierung und -abschluss Cloud (FCCS) basiert genau auf diesem Essbase!
Sie können sich also das „Schmunzeln“ in der Essbase Community vorstellen…
Weil ich selber noch wenig mit HFM und damit Konsolidierung gearbeitet habe, kann ich auch nicht echt beurteilen, wie das Angebot aus der Sicht eines Konsolidierungsexperten aussieht. In diesem Blogbeitrag möchte ich Ihnen aber einen Einblick geben, was dieses FCCS ist und auch meinen Kommentar dazu geben.

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Abbildung 1: Logo der FCCS.
Als ich mir die FCCS ansah, fielen mir direkt die Ähnlichkeiten mit der Planning and Budgeting Cloud Service auf. Dieses kommt teils dadurch, dass die Benutzeroberfläche in allen EPM Cloud Services gleich ist.

Konsolidierungslösung

Für die unter uns, die weniger im Finanzbereich tätig sind: Konsolidierung ist nicht gleich Aggregation! In der OLAP-Welt vermischen wir den Begriff gerne, aber hier sprechen wir von der Konsolidierung im Finanzwesen. Dann auch nicht von der Haushaltskonsolidierung, sondern um die Verrechnung von gegenseitige Forderungen und Verbindlichkeiten von Konzernmitglieder um diese im Konzernabschluss nicht mehr anzuzeigen. Es ist ein wichtiger Teil eines Konzernabschlusses.
Ein kleines Beispiel zur Verdeutlichung: Der Konzern „ABC“ hat 2 Tochterunternehmen mit den Namen „K“ und „L“ und wir gehen davon aus, dass beide Firmen dieselben Bilanzierungsvorschriften und dieselbe Währung haben. Der Konzern „ABC“ besitzt 60% der Anteile in „K“ und 100% der Anteile in „L“. Die Tochterunternehmen betreiben auch Geschäfte miteinander und hieraus entstehen gegenseitige Forderungen und Verbindlichkeiten. Zum Abschlusstermin (Monat, Quartal oder Jahr) müssen dann die Forderungen und Verbindlichkeiten verrechnet werden. Das gegenseitige Geschäft zwischen „K“ und „L“ ist teilweise erfolgsneutral für die Mutter, denn die besitzt ja in einem Fall 60% und in dem anderen Fall 100% der Anteile.
Um diese Sachverhalte zu entflechten und richtig zu berechnen, sodass die jeweilige Rechnungslegungsvorschriften genau eingehalten werden, geschieht mit dieser Software. Respekt!

Was ist im FCCS enthalten?

Es gibt ein vorkonfiguriertes Konsolidierungsmodell für die globalen Berichtsanforderungen IFRS und GAAP. In den vordefinierten Berechnungen gibt es Cashflow, Bilanz und die Gewinn- und Verlustrechnung. Dieses mit vollständiger Währungsunterstützung, zwischenbetrieblichen Eliminierungsbuchungen, Eliminierungen für Kapitalbeteiligungen, Korrekturen und einer ausführlichen Datenverfolgung. Das will ich in Essbase sehen, denn das hat es in sich!
Ferner gibt es eine Steuerung und Überwachung des gesamten Abschlussprozess, welche mit einem Compliance-Framework einschließlich Auditing erreicht wird.
Rollenbasierte Aufgaben und Arbeitsbereiche machen es den Mitarbeitern einfacher, sich in den Aufgaben zu Recht zu finden.
Zugriff auf Daten mit interaktiven Prozess- und Finanz-Dashboards geben dem ganzen wieder ein schönes Aussehen und schnelle Antwort auf Fragen.

Das Datenmodell

Interessant ist, wie Oracle das Datenmodell aufgebaut hat. Als Essbase Berater hat man ja so seine eigenen Ideen. Ich kenne die Anforderungen nicht im Detail und bin einfach mal gespannt, was ich finde.
Das Modell, in dem alles untergebracht ist, hat die folgenden Pflicht-Dimensionen: Year, Period, View, Consolidation, Scenario, Entity, Account, Movement und Data Source. Je nach Konfiguration gibt es dann noch: Currency, Intercompany und Multi-GAAP. Wenn Multi-GAAP nicht konfiguriert ist, dann gibt es 2 Custom Dimensionen, sonst nur eine.
Die Movement Dimension ist eine Überraschung. Hier kann man also schön die Kontenbewegungen darstellen. Consolidation ist auch etwas, das man sich näher ansehen sollte, denn ich vermute, hier wurde die Konsolidierungslogik und -Prozess hinterlegt.
Diese Dimensionen werden mit Standard-Elementen und Hierarchien bestückt, damit die Business Rules greifen können. Diese Elemente haben alle das Präfix „FCCS_“ und sind leicht daran erkennbar. Für die Benutzer gibt es dann die Alias Tabellen, um diese Elemente sprechenden Namen zu geben.

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Abbildung 2: Ausschnitt der Account Dimension und „FCCS_“ ID Präfix.

Bei der Zeitdimension „Period“ hat man die Wahl zwischen 12 oder 13 Perioden und der erste Monat des Geschäftsjahres muss beim Erstellen der Applikation angegeben werden. Bei der Dimension „Year“ muss man das erste Jahr der Applikation angeben, und diese liegt dann fest. Bei der Dimension „Currency“ muss ich angeben, ob ich mehrere Währungseinheiten und eine Währungsumrechnung haben will oder nicht. Wo kenne ich diese Fragen denn her? Bin ich in der Konfiguration einer Planning Applikation gelandet?
Doch bei der Konfiguration gab es aber noch einige weitere Optionen zur Definition wie in Abbildung 3 ersichtlich.

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Abbildung 3: Spezifische Optionen zur Konsolidierungslösung.

Multi-Source Data Input Optionen, Multi-GAAP einschalten oder nicht, Intercompany Eliminiation, Journal Posting workflow und viele Optionen des Accounts Reporting.
Bei der Account Dimension gibt es dann eine komplette GuV Struktur, Bilanz und Cashflow Struktur. Diese hat auch eine eingebaute Finanzlogik mit u.a. dem bekannten „TBLast“ und „Expense Reporting“ die wir auch aus der Essbase Account Dimension kennen (Abbildung 2).
Bei der Wechselkursumrechnung gibt es die Währung der Entität, die Währung des Mutterelements in der Hierarchie, die Eingabewährung und die Währung, in der die Berichte erstellt werden können. Hierin zeigt sich schon, dass diesem ein hoher Stellenwert gegeben wird und auch recht kompliziert werden kann. Es gibt also eine andere Wechselkursberechnung als sie früher in Essbase Standard war und ähnlich derjenigen, wie wir Berater sie meistens aufbauen.
Die Dimension „Consolidation“ ist auch interessant. Diese kleine Dimension hat das Eingabe Element „Entity Input“ und die restlichen Elemente bekommen ihre Datenwerte aus dem Prozess.

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Abbildung 4: Ausschnitt aus der Dimension Consolidation.
Die Dimension „Datasource“ hat für die Finanzabteilung typische Datenlieferungen wie „Managed Data“, „Supplemental Data“ und „Journal Input“. Aber auch Elemente um Daten zu überschreiben – immer praktisch um schnell ans Ziel zu kommen oder „besondere Sachverhalte“ abzubilden.

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Abbildung 5: Ausschnitt aus der Dimension Data Source.

Die Benutzeroberfläche

Es gibt wieder einige bekannte, aber auch neue Knöpfe in der Benutzeroberfläche. Spezifisch für FCCS sind natürlich „Consolidate Data“ und „Journals“.

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Abbildung 6: Leiste mit den Knöpfen als Einstieg in die Applikationsbereiche.
Die Tablet-fähige Benutzeroberfläche ist auch ein Vorteil der Cloud Lösung. Die Konfiguration ist doch viel einfacher oder einfach schon vorhanden.
Es gibt die auch aus Planning bekannten Datenformulare und viele Business Rules. Übrigens, diese Business Rules können nicht verändert oder erweitert werden. Das alles ist eine „Black Box“ und es wäre doch so interessant, da mal rein zu schauen.
Abbildung 7 zeigt noch einen Bericht zum „Data Status“. Diesen erkennen diejenigen, die mit HFM gearbeitet haben.

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Abbildung 7: Data Status zur Übersicht der Konsolidierung und der Freigabe.

Fazit

Es wird noch einige Tage Arbeit sein, um das ganze Datenmodell völlig zu durchforsten. Es sieht sehr gut aus. Performance war bei HFM immer wieder ein Problem, und es ist abzuwarten wie das in FCCS sein wird. Nur eine bzw. zwei „Custom“ Dimensionen sind nicht viel und wird für viele Modelle ein „No-Go“ sein.
Diese Software wird es nur in der Cloud geben. Ich glaube, viele HFM-Kunden, aber auch Firmen die andere Konsolidierungslösungen einsetzen, werden den Schritt zu FCCS machen. Es ist eine vollumfängliche Konsolidierungslösung, wenn man nicht sehr spezifische Funktionalität braucht. Ich glaube, dieses Produkt hat sehr viel Potential. Damit wird FCCS ein wichtiger interner Kunde vom Essbase Team sein.
Ob die Essbase API auch offen sein, wird wäre auch eine interessante Frage, denn das würde die Möglichkeit bieten, das Reporting zu erweitern und vielleicht doch noch eigene Business Rules zu schreiben.;-)

Ihr Philip Hulsebosch

Veröffentlicht unter EPM & BI, Essbase, Planung & Berichtswesen Getagged mit: , , , ,

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